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03 - Theoretische Grundlagen - Teil 2

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Aufgabe

Bevor Sie auf dieser Seite weitere Aspekte z.B. zum Umgang von Lernenden mit Erklärvideos beschäftigen werden, möchte ich Sie ermutigen, die folgende Aufgabe zu bearbeiten.

Reflektieren Sie Ihren eigenen Umgang in Bezug auf Erklärvideos. Nutzen Sie gerne die folgenden Leitfragen für einen umfassenden Reflexionsprozess:

  • Warum schauen Sie Erklärvideos?
  • Wie suchen Sie normalerweise nach diesen Videos? Nach welchen Kriterien wählen Sie Videos aus?
  • Auf welchem fachlichen Niveau (z.B. universitär, Sekundarstufe II, I, alltäglich) sind diese Videos angesiedelt?
  • Schauen Sie ein normalerweise Video vollständig an?
  • Schauen Sie bestimmte Sequenzen (das ganze Video) wiederholt an? 
Sofern Sie jedoch noch nie ein solches Video betrachtet haben, können Sie alternativ auch Vermutungen aufstellen, wie Ihre Lernenden auf diese Fragen antworten würden.

Nutzungsverhalten 

Aus dem deutschsprachigem Raum sind nach aktuellem Erkenntnisstand keine repräsentativen Erhebungen veröffentlicht, in denen das Nutzungsverhalten umfassend dokumentiert ist. Es existieren jedoch einzelne kleine Studien, aus denen Hinweise abgeleitet werden können.

Im Rahmen einer Masterarbeit am Institut für Didaktik der Naturwissenschaften (Abteilung Didakik der Chemie) wurden insgesamt 63 Lehramtsstudierende befragt (Klenke, 2019):

  • zwei Drittel gaben an, dass sie bereits Erklärvideos zur Aneignung naturwissenschaftlicher Inhalte verwendet haben
  • der Kanal, die Position in der Suchliste sowie die Videolänge sind entscheidende Kriterien für die Auswahl der Videos
  • Klickzahlen oder die Bewertung spielen eine weniger wichtige Rolle
  • durchschnittlich schauten die Studierenden zwei Videos zu einem Thema
  • während des Betrachtens der Videos machten rund 45 Prozent der befragten Personen Notizen

In einer weiteren Befragung von insgesamt 97 Schülerinnen und Schülern (5. - 10. Klasse) zeigen sich ergänzend hierzu die folgenden Ergebnisse (Meyer, 2019):

  • Videos aus der Mathematik werden vergleichsweise häufig angesehen
  • mathematisch-naturwissenschaftliche Videos werden häufiger angesehen als solche aus dem sprachlichen Bereich
  • Erklärvideos werden insbesondere zur Vorbereitung auf Klassenarbeiten genutzt
  • als wichtigste Anforderung an ein Video wird der kostenfreie Zugang genannt

In einer Studie mit 300 Schülerinnen und Schülern aus dem Bereich der Physikdidaktik (Wolf und Kulgemeyer, 2016) konnten zusätzlich die folgenden Ergebnisse ermittelt werden:

  • eine verständliche Sprache, gute Inhalte, eine gute Struktur sowie eine witzige bzw. spannende Gestaltung sind die zentralen Auswahlkriterien für Erklärvideos

Aus der Studie von Saurabh und Gautam (2019) lassen sich weitere Erkenntnisse ableiten. In dieser Studie wurden der YouTube-Channel des Erstautoren näher analysiert. Der Autor ist an einer indischen Universität beschäftigt. Zu den zentralen Ergebnissen zählen u.a. die folgenden:

  • präferiert werden eher mittellange Videos (12-20 Minuten)
  • wobei zumeist nur die ersten Minuten eines Videos betrachtet werden
  • die Klickzahlen häufen sich rund um zentrale Prüfungszeiträume (z.B. Abschlussprüfungen)

Einsatzmöglichkeiten von Videos

Video als Werkzeug

Ein reines Erklärvideo bietet einen geringen Grad an Interaktion und unterscheidet sich daher deutlich von Erklärungen bspw. im Rahmen eines Unterrichtsgespräches. Rückfragen o.ä. durch die Betrachtenden sind nicht entsprechend nicht möglich (Findeisen et al. 2019). Durch die Einbindung eines Videos auf einer Videoplattform (z.B. YouTube) ist ein gewisser Grad an Interaktion bspw. durch die Kommentarfunktion möglich.

Um die Interaktivität eines Videos zu erhöhen ist es bspw. ebenfalls möglich, Fragen, Aufgabenstellungen o.ä. in ein Video einzufügen, wie das folgende Beispiel zeigt.

Unterrichtskonzeptionen zur Einbindung von Videos

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Erklärvideos in instruktionale Settings im Unterricht einzubinden. In den vergangenden Jahren haben sich insbesondere flipped bzw. inverted classroom oder auch blended-learning Formate diesbezüglich etabliert.

Flipped bzw. inverted classroom

Unter einem flipped oder inverted classroom werden Unterrichtskonzeptionen verstanden, in denen die unterrichtliche Instruktion und die nachfolgende Phase (z.B. in Form von Hausaufgaben) vertauscht werden. Dies kann bspw. bedeutet, dass die Lernenden als Vorbereitung auf den eigentlichen Präsenzunterricht Teile der Inhalte eigenständig erarbeiten, damit im Unterrichtsgeschehen mehr Raum für Anwendungen bzw. Vertiefungen ist.
 

Blended-learning

Unter einem blended-learning-Ansatz wird in der Regel die Vermischung von digitaler und Präsenzlehre verstanden. Die Anteile können hierbei variieren. Das Ziel ist es, die Vorteile beider Varianten (Präsenz und digital) maximal auszunutzen. Vorteile digitaler Lehr-Lernprozesse sind u.a. die zeit- und ortsunabhängige Bearbeitung, die Möglichkeit in einem individuellen Lerntempo zu arbeiten sowie eine asynchrone kollaborative Zusammenarbeit. Die Vorteile von face-to-face Lehr-Lernprozessen (Präsenz) liegen u.a. in der direkten bzw. unmittelbaren Erreichbarkeit der Lehrperson für Rückfragen sowie der schnellen Diagnose der Lernprozesse und einer ggf. notwendigen Adaption.
In Bezug auf die Einbindung von Erklärvideos wäre bspw. denkbar, gemeinsame Phasen hierfür im Unterrichtsgeschehen einzuplanen, in welchen die Lernenden zwar individuell und in digitaler Form sich mit einem Video auseinandersetzen, die Lehrkraft aber jederzeit direkt erreichbar ist.