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digitaLe Grundlagenkurs

Methode "Digital Storytelling"

Was ist Digital Storytelling?

Digital Storytelling ist das Erzählen sowie das Erleben von Geschichten, wobei von den Besonderheiten der digitalien Technologien und der digitalen Medien Gebrauch gemacht wird (Herbst & Musiolik 2016). Der Unterschied zum Geschichtenerzählen im klassischen Sinn ist die Digitalisierung und die damit verbundene Angepasstheit an die Nutzenden.
Studien zeigen, dass viele Nutzende im Web keine langen Informationstexte lesen wollen. Meist werden diese nur kurz angerissen oder übersprungen (Säwert & Riempp 2019). Daher bedienen sich die Erzählenden im Web visueller Elemente, wie Animationen und Videos oder auch Fotos in Kombination mit Audioaufnahmen oder Bilderserien mit begleitendem Text.
Dennoch ist zu beobachten, dass ungeachtet des technischen Fortschrittes im Internet, Texte noch häufig als Informationsträger dienen, wie zum Beispiel in Blog-Posts, E-Books oder Artikeln. Um diese jedoch ansprechend zu gestalten und Rezipierende dazu zu bringen, lange Texte nicht nur zu überfliegen, verpackt man die Botschaft in einer guten Story. Diese Geschichte soll den Lesedrang animieren, indem witzige, komische, provokative oder persönliche Elemente die Neugierde wecken. Das Erzählte soll Lesende also unterhalten und nicht nur langweilige Fakten enthalten (Säwert & Riempp 2019).

Sieh dir das Video an: Ada und Gottfried sprechen darüber, wie durch digitales Storytelling mehr Informationen und Sinneseindrücke vermittelt werden können.

Rechts einfach auf den Videoplayer klicken.

Die Geschichte

Damit Rezipierende von einer Story gepackt sind und diese lesen möchte, werden für die Geschichte Situationen, Phänomene oder Probleme verwendet, mit denen sich Lesende identifizeren können und die Emotionen in ihnen auslösen. Besonders gut funktioniert dies, indem ein*e Protagonist*in vorkommt, die oder der sich in dieser Situation befindet. Dadurch kann der oder die Rezipient*in einen Bezug zu dem Gelesenen herstellen.
Charakteristisch für Storytelling ist außerdem der Aufbau der Geschichte. Es gibt drei "Akte": Zu Beginn liegt eine Ausgangssituation vor. Darauf folgt ein Problem oder ein Konflikt, welcher bei den Lesenden für Spannung und Aufmerksamkeit sorgt und zum Abschluss kommt es zu einer Lösung. Durch eine persönliche Erzählweise wird Authentizität und Glaubwürdigkeit geschaffen. Weiterhin sollte darauf geachtet werden, dass die Story nicht zu lang ist und die Informationen auf das Wesentliche reduziert werden.


Einsatz von Digital Storytelling

Es können verschiedene Absichten hinter dem Erzählen von Geschichten stecken:
  • Vermittlung von Sachinformationen
  • Versuch einer Problembewältigung
  • Anregung von Denkprozessen
  • die Definition von Rollenerwartungen
  • das Bewirken von Verhaltensänderungen 
  • das Aufweisen von neuen Verhaltensmöglichkeiten
  • Aktivierung des Anschauungsvermögens
  • Vermittlung von Normen und Werten
  • die Stiftung von Sinn und Hoffnung
Besonders gut eignet sich das Digital Storytelling, um Informationen zu komplexen Themen, wie zum Beispiel aus der (Umwelt-)politik, verständlicher und interessanter zu gestalten und somit zum Lesen animieren.

Im Online-Journalismus werden häufig Bilderserien mit begleitendem Text eingesetzt, um Storys zu erzählen. 

Ein sehr großer Bereich in dem die Methode verwendet wird, ist das Marketing. So hat beispielsweise Edeka vor ein paar Jahren durch Erzählen einer Geschichte davon profitiert und sehr viel Aufmerksamkeit erlangt. Dabei ging es um einen einsamen Großvater, der seine Familie zum Weihnachtsfest einlud. Jedes Familienmitglied sagte nacheinander aufgrund wichtigerer Termine ab. In dem darauffolgenden Jahr erhielt die Familie eine Todesanzeige von dem Großvater. Als die Familie für die Trauerfeier in seiner Wohnung eintraf, fand diese den Opa lebendig vor der sagte: "Wie hätte ich euch denn sonst alle zusammenbringen sollen?". Zum Abschluss sitzt die Familie zusammen am reich gedeckten Tisch und feiert. 

Doch auch in Hoch-(Schulen) kann Digital Storytelling verwendet werden, um Informationen interessanter zu vermitteln. Dabei können verschiedene Apps und Webseiten bei der Umsetzung helfen:

Stop Motion: Eine App, bei der einzelne Bilder aufgenommen und in einem Video zusammen geschnitten werden können. 

Chatterpix: Eine App für jüngere Kinder, bei der man einen Avatar oder ein selbstgemachtes Bild sprechen lassen kann. 

TextingStory: Eine App, bei der man selbst einen Chat zwischen zwei Personen erstellen und anschließend den Verlauf als Video abspeichern kann. Eignet sich gut, um das Schreiben von Dialogen zu üben, wie zum Beispiel im Sprachunterricht. 

writecomics.com: Hier können selbständig Comics erstellt werden. Dabei kann der Nutzer aus einem Repertoire an Figuren und Hintergründen wählen und Text in Sprechblasen hinzufügen. 

Five Card Flickr Stories: Auf dieser Internetseite werden dem Nutzer in 5 Runden jeweils 5 Bilder von flickr vorgestellt. In jeder Runde sucht man sich ein Bild aus, sodass am Ende eine Reihe von 5 Bildern entsteht. Dazu kann dann in Form eines kurzen Textes eine kleine Geschichte erzählt werden. 

Six Word Stories: Wie der Name schon sagt, findet man auf dieser Seite Geschichten, die nur 6 Wörter umfassen. Dabei kann man aus verschiedenen Kategorien wie Geheimnis, Lustig, Mord, Liebe und weiteren wählen. 

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Die Hauptfigur können zum Beispiel auch Tiere spielen, wie in Fabeln. 

  • Herbst, D.G., Musiolik, T.H. (2016): Digital Storytelling. Spannende Geschichten für interne Kommunikation, Werbung und PR. Konstanz/München: UVK Verlagsgesellschaft mbH
  • Säwert, M., Riempp, R. (2019). Digital Storytelling im Web – am Beispiel von scroll-activated animations. Wiesbaden: Springer Verlag. 
  • Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (Hrsg.) (2019). Umwelt im Unterricht. Verfügbar unter: https://www.umwelt-im-unterricht.de/medien/dateien/digital-storytelling-geschichten-und-ihre-botschaft/ [05.03.2020]


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