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digitaLe Grundlagenkurs

Methode "Mystery"

Was ist die Methode Mystery?

Im Alltag erhält man ständig Informationen verschiedener Quellen zu einem bestimmten Thema. Diese gilt es mit dem vorhandenen Vorwissen gezielt zu ordnen, Zusammenhänge herzustellen und Relevantes von Irrelevantem zu trennen. Dadurch gelingt es, sich ein eigenes Bild und eine Art Alltagstheorie zu konstruieren. Die Methode Mystery greift diesen Prozess der Wissenskonstruktion auf spielerische Weise auf und lehrt, mit Informationen umzugehen und diese zu hinterfragen (Vankan, Rohwer & Schuler, 2007).

Durchführung 

Durchgeführt wird die Methode in Gruppen. Zu Beginn erhält jede Gruppe ein kleines Phänomen oder eine (häufig kuriose) Geschichte zu einem bestimmten Thema. Eine vorgegebene Leitfrage soll anschließend mithilfe von ca. 20-30 Informationskärtchen beantwortet werden. Auf diesen Kärtchen stehen Ereignisse und Hintergrundinformationen zu der Geschichte, ohne die es nicht unbedingt möglich wäre, die Frage zu beantworten. Diese Kärtchen gilt es zu ordnen und zu strukturieren, um eine Antwort auf die Fragestellung zu bekommen. Weiterhin müssen die Informationen gewichtet und hinsichtlich der Relevanz in Bezug auf die Frage sortiert werden. Dabei ist es auch wichtig, dass die Informationen zueinander in Beziehung gesetzt und Zusammenhänge erkannt werden (Vankan, Rohwer & Schuler, 2007).

Geförderte Kompetenzen 

Neben der Fachkompetenz lernt man dabei viele methodische Kompetenzen, wie das systematische Analysieren von Sachverhalten und die Argumentationskompetenz. Letztere wird gefördert, da die Ordnung und das Gewichten der Informationen begründet werden müssen. Es kommt häufig vor, dass die einzelnen Gruppenmitglieder unterschiedliche Ideen haben, somit müssen sie sich diese gegenseitig erklären und den Entscheidungsprozess begründen, um die eigene Vorstellung hervorzuheben. Bei diesem Vorgehen müssen daher Vermutungen und Hypothesen aufgestellt und diese mit Belegen untermauert werden. Es ist also auch möglich, dass es mehrere Antwortmöglichkeiten auf die Leitfrage gibt und nicht alles falsch oder richtig sein muss. Wichtig ist, dass die ausführliche Beantwortung durch eine nachvollziehbare Argumentation gestützt ist, wobei Fakten und Meinungen, Haupt- und Nebenaspekte sowie Ursachen und Folgen unterschieden werden (Vankan, Rohwer & Schuler, 2007).

Einsatzmöglichkeiten und mögliche Themen

Eingesetzt werden kann ein Mystery in jeder Altersstufe und in jedem Fachbereich. Das Materialangebot und die Aufgabenstellung ändern sich dabei nicht, lediglich im Lernrpozess und -ergebnis kann es zu Änderungen kommen.
In der Schule bietet es sich an, diese Methode entweder zu Beginn einer Unterrichtseinheit als Vorstellung eines Problems und zur Aktivierung des Vorwissens der SuS zu nutzen oder aber auch am Ende einer Unterrichtssequenz, um Gelerntes anzuwenden. 

Beispiele gibt es bereits sehr viele aus dem Fach Geographie, wie zum Beispiel zu den Themen Globalisierungsprozesse oder zum Thema Naturkatastrophen (Vankan, Rohwer & Schuler, 2007).

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Jetzt bist du gefragt!

Mystery „ThuleTuvalu“

Tuvalu: Kaipati und seine Familie konnten sich auf ihrer Insel bisher alleine versorgen, da sie alles was sie brauchen selbst anbauen. Kaipati geht täglich fischen und versorgt die Familie mit frischem Fisch. Alle Familienmitglieder haben schon immer auf Tuvalu gelebt und sind perfekt an die Gegebenheiten der kleinen Insel im Pazifik angepasst, indem sie im Einklang mit der Natur leben.

Thule: Der Polarjäger Rasmus legt viele Kilometer mit seinem Schlitten und den vorgespannten Schlittenhunden zurück. Er fährt über eine meterdicke Eisdecke, um weit hinaus auf das gefrorene Meer zu fahren und in Wasserlöchern Robben und an der Wasserkante Narwale zu jagen. Bereits sein Vater hat ihm das Jagen gelehrt und somit sichert er die Versorgung und das Überleben seiner Familie. Die Jagd hat großen Stellenwert in der Kultur der Bewohner von Thule (grönländisch Qaanaaq) und ist für ihre Bewohner essentiell zum Überleben.

Hannover: Ben ist 17 und lebt zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester Emma in Hannover. Er besucht die 11. Klasse und treibt nach der Schule gerne viel Sport. Im Sommer grillt er gerne mit seinen Freunden. In den Ferien freut er sich auf den Urlaub mit seiner Familie. Er lebt ein unkompliziertes Leben.

Leitfrage: Warum gefährdet der Lebensstil von Ben die Existenz von Kaipatis und Rasmus’ Familie?

Arbeitsaufträge:
1. Ordnet die Karten in Themenfelder.
2. Erstellt auf der Basis eurer neuen Erkenntnisse aus den Karten ein Ursache-Wirkungs-Diagramm, mit dem ihr die Leitfrage beantworten könnt.

1. Die Inselgruppe Tuvalu liegt im Pazifischen
Ozean. Sie besteht ausschließlich
aus Korallenriffen und ist
am höchsten Punkt knapp vier Meter
über dem Meeresspiegel.

2. Kaipatis Frau und Kinder sammeln
Müll in Müllsäcken und schütten sie
am Rand der Laguna auf, um das
Wasser aufzuhalten und ihr zu Hause
vor den Wassermassen zu schützen.

3. Rasmus beobachtet seit einigen Jahren,
dass das Meer von Jahr zu Jahr
später gefriert und das Meereis wiederum
früher schmilzt. Die Jagdsaison
auf dem Eis wird demnach immer
kürzer.

4. Ben ist zwar sportlich, aber meistens
zu faul, um mit dem Fahrrad in
die Schule zu fahren. Außerdem
geht es viel schneller, wenn sein Vater
ihn mit dem Auto fährt.

5. Kaipatis Familie lebt sehr bescheiden
und mit wenigen Luxusgütern
auf der Insel.

6. Auf Tuvalu sind die Böden der tief
liegenden Äcker von starker Versalzung
geprägt, da Meerwasser von
unten ins Grundwasser gelangt. Zudem
überfluten zahlreiche Stürme
die Felder. Kaipati und seine Familie
können deshalb immer weniger Gemüse
anbauen.

7. Rasmus hat auf der Narwal-Jagd
Probleme zur Wasserkante zu gelangen.
Während vor zehn Jahren das
Eis noch zwei Meter dick war, sind es
heute nur noch 30 cm. Im Eis bilden
sich Risse, die immer breiter werden
und die Jagd gefährden. In Zukunft
kann das Eis die Schlitten nicht mehr
tragen.

8. CO2-Emissionen einzelner Verkehrsmittel

Auto: 142 g/Personenkilometer (Pkm), 1,5
Personen/PKW
Bahn: 50 g/Pkm bei 40% Auslastung
Fernbus: 32 g/Pkm bei 60% Auslastung
Flugzeug: 211 g/Pkm bei 77% Auslastung

9. Das Jagen ermöglicht Rasmus und
seiner Familie ihre Existenz. Ohne
das Narwal- und Robbenfleisch können
sie und ihre Schlittenhunde
nicht überleben.

10. Ben wohnt in Hannover und geht
jede Woche zwei bis drei Mal zum
Fitnesstraining ins Fitnesscenter.
Heute Abend hat er besonders hart
trainiert und gönnt sich zur Belohnung
ein großes Burger- Menü mit
Rindfleisch beim Fast-Food Imbiss
nebenan.

11. Im Durchschnitt wird in Deutschland
jährlich 60kg Fleisch pro Kopf konsumiert.
Die steigende Anzahl an
Mastbetrieben weltweit führt zu einem
immensen Ausstoß von CO2. Vor
allem konventionelle Rindermastbetriebe
und Molkereibetriebe verursachen
zusätzlich einen immensen
Ausstoß an Methangasen in die Atmosphäre.

12. Kohlenstoffdioxid (CO2) und Methan
sind so genannte Treibhausgase. Sie
verstärken den Treibhauseffekt und
sind in großem Maße mitverantwortlich
für den weltweiten Temperaturanstieg.
Dabei ist Methan 25-
mal so klimawirksam wie CO2.

13. Für die Inselbewohner von Tuvalu
spielte Geld bisher kaum eine Rolle.
Solange die Natur den Inselbewohner
genug bietet (z.B. Fische, Gemüseanbau,
Kokospalmen), können
sich die Einwohner größtenteils
selbst versorgen.

14. Der steigende Temperaturanstieg
des Meeres vertreibt viele einheimische
Fische aus den Gewässern vor
Tuvalu, da auch die Fische auf den
Klimawandel sensibel reagieren.

15. Die grönländische Insel Thule ist der
nördlichste bewohnte Ort der Erde.
Die Insel ist in großen Teilen von
Eismassen (Inlandeis) und Gletschern
bedeckt. Sie liegt ca. 20.000
km entfernt von Tuvalu.

16. Ben ist schon voller Vorfreude auf
die Sommerferien, denn dieses Jahr
plant seine Familie einen dreiwöchigen
Urlaub in Brasilien. Neben
Strandurlaub wollen sie mit einigen
Inlandsflügen das ganze Land erkunden.
Sein Vater sagt: „Das haben
wir uns mal verdient nach dem
harten Berufs- und Schulalltag.“

17. Wenn das grönländische Inlandeis vollständig
geschmolzen ist, steigt der
Meeresspiegel global um sieben Meter
an.

18. Der Jäger Rasmus lebt mit seiner
Familie auf Thule. Um seine Familie
zu ernähren, geht er heute wieder
auf die Jagd, zusammen mit seinen
Schlittenhunden. Er hat jedoch
Angst und fragt sich, ob die Eisdecke
die Hunde heute sicher tragen
kann, da diese jährlich dünner
wird.

19. Die ersten Bewohner von Tuvalu
kamen vor ca. 2000 Jahren auf die
Inselgruppe. Schon damals war der
Saft der Kokosnüsse für die Inselbewohner
ein essentielles Nahrungsmittel.
Zudem ist es eines der
wenigen Handelsprodukte der Insel.

20. Bens Mutter fährt auch noch schnell
in den Supermarkt und kauft Frühkartoffeln
aus Ägypten, Shrimps aus
Asien und Rinderfilet aus Argentinien,
da diese Produkte heute besonders
günstig sind und sie abends
zusammen mit der Familie grillen
wollen.

21. Um ihre Familien zu versorgen, müssen
die Jäger der Insel Thule auf ihren
Jagden große Eisfelder mit
Schlittenhunden überqueren...

22. Um die große Anzahl an Tieren in
unseren Mastbetrieben zu versorgen,
werden jährlich große Mengen an
Futtermitteln, wie z.B. Sojaschrot
aus Brasilien importiert.

23. In den letzten 16 Jahren wurde ein
signifikanter Meeresspiegelanstieg
von insgesamt 9 cm vor der Insel
Tuvalu gemessen. In 50 Jahren wird
es die Inselgruppe wohl nicht mehr
geben.

24. Als Kind hat Kaipati unter den Kokospalmen
am Strand Sonnenschutz
gesucht. Wenn er heute spazieren
geht, muss er über etliche durch
Unterspülung abgeknickte Palmen
klettern, um weiter zu kommen.

  • Vankan, L., Rohwer, G., Schuler et al., S. (2007). Diercke Methoden – Denken lernen mit Geographie. Braunschweig: Westermann.


Kommentare

  • Ge

    Gelöschtes ILIAS-Konto

    Im Fach Textil: Wearable Technology in Bekleidung

    Erstellt am23. Dezember 2020