6    

digitaLe Grundlagenkurs

Nachteile durch KI

Mit der eingehenden Digitalisierung des Unterrichts gehen jedoch auch einige negative Aspekte mit ein, welches der folgende Abschnitt einmal näher beleuchten wird. Schülerinnen und Schüler können durch die vermehrte Nutzung des Internets auf der einen Seite soziale Beziehungen aufbauen, aber auf der anderen Seite steigen dadurch aber auch die Fälle von Cybermobbing.

Durch den Fortschritt bei der Bildmanipulation mit Software und KI-Tools ist es so bereits für Schüler*innen problemlos möglich, bearbeitete Fotos von anderen Klassenkameraden auf sozialen Kanälen zu teilen, welche die jeweiligen Personen bloßstellen. Ein Beispiel hierfür wäre, dass einer Schülerin eine Schweinsnase ins Gesicht gesetzt wird und solch ein Foto in der Klassengemeinschaft geteilt wird oder gar auf Social Media hochgeladen wird. Da durch eine Digitalisierung des Unterrichts die betroffene Schülerin auch damit im Unterricht konfrontiert wäre, muss der Aspekt des Cybermobbings bei Lehrkräften stärker in den Vordergrund rücken.

Ein anderer Aspekt ist, dass durch Bildmanipulationstools auch sogenannte Deepnudes erstellt und geteilt werden könnten. Dies ist ein Phänomen, mit dem gerade Frauen des öffentlichen Lebens zu kämpfen haben, denn hierbei werden Fake-Nacktfotos oder -videos durch KI-Tools generiert bei denen lediglich die Gesichter der Zielperson auf einen nackten oder stark entblößten Frauenkörper gesetzt werden. Ein bekanntes Beispiel ist zum Beispiel der Popstar Taylor Swift, die immer wieder gegen solche Deepfakes vorgehen musste (fr.de, 2024).

Gesicht, dessen Nase zu einem Schweinerussel retuschiert wurde.
Ausschnitt aus Video vom YouTube-Kanal klicksafegermany (2010)

Folglich sollte mehr auf Initiativen aufmerksam gemacht werden, welche Frauen vor solchen negativen Aktivitäten schützt. Ein Beispiel wäre der Orange Day, eine Kampagne der UN, die aufmerksam macht auf die immer noch stattfindende (digitale) Gewalt gegen Frauen (unwomen.de, 2024). Gerade der Anteil an digitaler Gewalt nimmt durch den technologischen Fortschritt zu.

Ein zentrales Problem liegt zudem in der Ablenkung durch den Einsatz von digitalen Medien. Beim Arbeiten am Computer ist es einfacher möglich anderen Tätigkeiten, wie dem Kommunizieren per Facebook etc., nachzugehen, statt die Aufgaben zu bearbeiten. Des Weiteren neigen einige Schülerinnen und Schüler dazu, Materialien aus dem Internet zu kopieren, ohne sich damit tatsächlich auseinanderzusetzen. Diese Entwicklung erscheint durch das Hinzukommen von textgenerierenden Sprachprogrammen noch drastischer, weil Schüler*innen ebenso dazu tendieren, die von KI erstellten Texte zu kopieren und keine eigenen Denkleistungen erbringen. Ebenso auffällig ist, dass sie teilweise die Glaubwürdigkeit einer Quelle nicht richtig einschätzen können (Schaumburg, 2015). Dies geht auch damit einher, dass die Texte von KI-Tools durch die stark fortgeschrittene Version 4.0 von ChatGPT mittlerweile sprachlich sehr gut  formuliert sind und die kritische Distanz dadurch schneller verloren geht.

Zusammenfassend ist  „[…] die Vermittlung von Medienkompetenz eine Aufgabe ist, die die Schule annehmen sollte und muss. Ihre gesellschaftliche Aufgabe ist es, Schülerinnen und Schülern eigenverantwortliche Selbst- und gesellschaftliche Mitbestimmungsfähigkeit zu vermitteln. In einer durch Medien geprägten Welt gehört hierzu […] auch der verantwortliche Umgang mit digitalen Medien“ (Schaumburg, 2015, S. 48). Dafür muss der Unterricht in seiner Gesamtheit neu gedacht werden und es sind neue Formate nötig wie das Lernen im Team mit den Einsatz von mobilen Endgeräten.Doch hier ist nochmals zu betonen, dass nicht alles auf digital umgestellt werden sollte. Es gibt immer noch Inhalte und Kompetenzen, die analog besser vermittelt werden können.

  • Schaumburg, D. H. (2015): Chancen und Risiken digitaler Medien in der Schule. Humboldt-Universität zu Berlin, Gütersloh. S. 33 - 48.
  • Fr.de (2024): Fake-Pornos im Netz: Der neue, nackte Frauenhass. Online unter https://www.fr.de/kultur/gesellschaft/taylor-swift-fake-pornos-im-netz-der-neue-nackte-frauenhass-fr-kultur-news-92806807.html.
  • Unwomen (2024): Digitale Gewalt. Online unter https://unwomen.de/formen-der-gewalt-gegen-frauen-und-maedchen/,
  • YouTubekanal klicksafegermany (2010): EU-Spot „Stop Cyber-Mobbing“: Online unter https://www.youtube.com/watch?v=ahuZSIiyBVg.


Informationsmeldung
Bisher wurde noch kein Kommentar abgegeben.