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digitaLe Grundlagenkurs

Kriterien zur Medienauswahl

Nach welchen Kriterien sollen Medien ausgewählt werden?

Die Lehrkraft sollte sich vor dem Einsatz von digitalen Medien folgende Fragen stellen: „Welches Medium bzw. welche Medien setze ich ein, a) um welche Kompetenzen zu erlangen, b) welche Themen und Inhalte umzusetzen und zu gestalten, und zwar c) mit welchen Methoden und Sozialformen?“ (Steiner, 2019).

Vorüberlegungen zum Einsatz von Medien
  • Medien sollen vereinfachen und unterstützen, nicht als Selbstzweck dienen
  • Medien an das Setting, an die Teilnehmer/innen anpassen
  • Aufwand abwägen
  • Zeitliche Komponente berücksichtigen
  • Nutzen für die Lerngruppe abwägen
  • Medienwechsel sowohl als Chance (anregend) als auch als Gefahr (anstrengend) sehen
  • 'Fertig-Medien' (z.B. Lehrfilme und Arbeitsblätter von Verlagen und anderen Anbietern) verführen zu schnellerem Tempo und ermüden
  • 'Fertig-Medien' passen nicht immer zur Intention
  • Live-gestaltete Medien beleben, aktivieren
  • Aktualität und Authentizität sind wichtig
  • Medien unterstützen die Motivation, lenken das Interesse und die Aufmerksamkeit
  • Die Professionalität der Lehrkraft ist wichtig
  • Die Glaubwürdigkeit des Medieninhalts und des Vermittlers sind wichtig
  • Die Erwartungshaltung an das Medium nicht unterschätzen

Die Unterrichtsplanung erfordert von der Lehrkraft eine eigene Analyse der Medienangebote. Dieser Schritt kann nicht durch Lehrerhandbücher oder sonstige Medienangebote der Schulverlage ersetzt werden. Bei der Medienauswahl sind die unterschiedlichen Adressatengruppen zu berücksichtigen. Hierbei sind Kombination und Gewichtung der verschiedenen Medien von Bedeutung.
Im Folgenden werden die Auswahlkriterien von Medien für den Schulunterricht näher erläutert (Rinschede, 2003).

Zielorientierung
Die eingesetzten Medien im Unterricht sollen sich mit Inhalten, Problemen und Fragestellungen auseinandersetzen, die wiederrum Schülerinnen und Schüler für gegenwärtige und zukünftige Lebenssituationen qualifizieren. Dabei gilt es Lehrpläne sowie deren Ziele und Teilziele einzuhalten. Hier sollen nicht nur Inhalte (Sachkompetenz) vermittelt werden, sondern auch fachbezogene Fähigkeiten und Fertigkeiten (Methodenkompetenz) im Umgang mit Medien. Insbesondere aktuelle Themen, auch wenn sie nicht im Lehrplan enthalten sind, sollen im Unterricht behandelt werden (Aktualitätsprinzip).

Inhaltsorientierung
Der Unterrichtsinhalt sollte verständlich, aktuell und exemplarisch sein, sodass die Inhalte auch auf andere Beispiele übertragen werden können.

Formalstruktur
Die formalen Strukturen müssen sich den inhaltlichen Strukturen anpassen. Es können statische Medien genutzt werden, aber in einigen Fällen eignen sich dynamische Medien besser, wie z.B. zur Darstellung von Prozessen.

Perspektive
Medien werden von Medienkonstrukteuren erstellt und dabei wird, bewusst oder unbewusst, Einfluss auf die Darstellung von Inhalten im Medium ausgeübt. Somit sind Medien subjektiv. Diese Betrachtung wird auch Monoperspektivität genannt, welche in fast allen Medien zu finden ist. Jedoch ist diese nur einzusetzen, wenn eine kritische Auseinandersetzung damit stattfindet und mit anderen Medien ergänzt wird. Die Multiperspektivität soll Lernenden zeigen, dass Medien immer subjektiv und deswegen auch unterschiedliche Perspektiven für eine Interpretation nötig sind.

Medienadäquanz
Nach Art des zu vermittelnden Gegenstandes sollen die Inhalte mediengerecht wiedergegeben werden (visuell, auditiv, audiovisuell).

Adressatengemäßheit
Bei der Medienauswahl müssen die Lern- und Aufnahmefähigkeit sowie Interessen und Lernstand der Lernenden berücksichtigt werden.

Sozialisationsfunktion
Neben kognitiven und instrumentalen Lernzielen sind soziale Lernziele ebenfalls zu vermitteln, wie z.B. Kommunikationsmöglichkeiten innerhalb der Klasse zu ermöglichen oder selbstständiges Arbeiten zu fördern.

Didaktischer Einsatzort
Medien haben unterschiedliche Funktionen in den verschiedenen Unterrichtsphasen. In der Einstiegsphase soll das Medium Interesse für den Inhalt bei den Lernenden wecken und zu einer Problemstellung hinführen. In der Erarbeitungsphase müssen die Lernenden zu Lernergebnissen gelangen, indem sie Informationen erhalten. In der Endphase müssen die erarbeiteten Ergebnisse auf andere Bereiche übertragen bzw. angewendet werden.  

  • "Mediendidaktik in der Schule" von Magdalena Steiner unter CC BY-SA 2.0. © Landesmedienzentrum Baden-Württemberg 2019.  (https://www.lmz-bw.de/medien-und-bildung/medienbildung/grundlagen-der-mediendidaktik/mediendidaktik-in-der-schule/.) Zugegriffen: 28. August 2019
  • Rinschede, G. (2003): Geographiedidaktik. Paderborn: Ferdinand Schöningh Verlag. S. 294 - 298.


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