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digitaLe Grundlagenkurs

Lernen mit Social Media - Reflexionsgegenstand

Gerade der Aspekt von sozialen Medien mit der Konstruktion von sozialen Kollektiven kann aber auch kritisch hinterfragt werden. So besteht mit der Netzwerkbildung zwar ein Raum für den Austausch mit Gleichgesinnten, dieser erfolgt aber nur im digitalen Bereich. Das Kollektiv funktioniert demnach nur auf der jeweiligen Plattform und bindet die Jugendliche somit auf der technisch-infrastrukturellen Ebene anstatt auf der persönlichen. Kinder und Jugendliche im Alter von vier bis achtzehn Jahren verbringen auch deshalb im Durchschnitt 107 Minuten täglich auf TikTok (Bundeszentrale für politische Bildung, 2023b). Auf dieser Plattform werden hauptsächlich kurze Videoclips gepostet und es ergeben sich regelmäßig Trends mit verschiedenen Mutproben. Algorithmen befeuern auch teilweise gefährliche Trends und es kommt zu Todesopfern wie durch die „Blackout-Challenge“ (ebd.). Im Deutschunterricht könnte dieses Thema beispielsweise eine geeignete Grundlage für kritische Diskussionen sein.

Social Media kann auch von Lehrenden in den Unterricht eingebunden werden, um Antworten auf (aktuelle) Fragen zu finden oder um Trends zu diskutieren. Im Fach Deutsch könnte das Thema TikTok und den verstärkt im Fokus stehenden Mutproben Grundlage für eine kritische Diskussion sein. Auf Ebene der Mediendidaktik stellt zudem die Verbreitung von Fake News über Social Media ein geeignetes Thema dar, wie für das Fach Politik.

2017 kursierte zum Beispiel die falsche Meldung im Netz, dass Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel die Terrorvereinigung ISIS in Europa bewusst operieren lassen würde (Bundeszentrale für politische Bildung, 2017).

News zwischen den Polen Unterhaltung Fachwissen

Gesprächsanlass kann das Thema Social Media im Unterricht aber auch sein, wenn im digitalen Raum Themen trenden , die auch gerade im Unterricht behandelt werden. Für den Biologieunterricht ist es zum Beispiel denkbar verschiedene Postings über Tierverhalten einzubinden. Ab dem Sommer 2020 kursierten auf Social Media Plattformen wie Twitter etwa verstärkt Posts, die von Orca Angriffen vor der spanischen Küste berichteten. Diese waren von rätselhafter Natur da laut Forscher:innen keine natürlichen Verhaltensmuster dargestellt wurden (Luna u. Aradas, 2023). Hier könnten Schüler:innen zum Beispiel die Aufgabe bekommen mit Hilfe von Unterrichtsmaterialien, wie dem Biobuch, herauszufinden, wo der Unterschied zu dem gewöhnlichen Verhalten bestehen würde.

Der Schwertwal

Ein weiteres kontroverses Thema, welches sich auch in Deutschland verstärkt abspielt, ist die Verbreitung des Wolfes und mit eingehenden Tötungen von Schafen und anderem Nutztier. In den letzten Jahren tauchten immer wieder Nachrichten über Wolfsangriffe auf, auch in Niedersachsen. Im Spätsommer 2023 fand schließlich eine mediale Debatte über das Thema statt, da die Angst bei dem betroffenen Bürger*innen wuchs, dass auch Menschen Opfer solcher Angriffe werden könnten. Es kristallisierte sich in den Medien eine konkrete Bedrohungslage heraus und es wurden unter anderem hitzige Schlagzeilen wie „Die Situation ist außer Kontrolle“ (WELT Nachrichten, 2023) verwendet. Hier könnten Schüler:innen die Aufgabe erhalten, diese polarisierte Debatte durch Informationen aus dem Biologiebuch sachlich einzuordnen und der Frage nachgehen ob es sich um ein aufgeblähtes Szenario handelt oder es wirklich faktenbasiert ist.

Junge Wölfin

Ein weiteres Einzugsbeispiel für Social Media im Unterricht wäre zum Beispiel das Fach Politik. Bei Politiker:innen hat sich die Verwendung von sozialen Medien wie X etabliert. Dort äußern sie sich zu politischen Sachverhalten oft bevor ausführlichere und begründete Hintergründe gegeben wurden.  Ein Beispiel dafür ist der noch amtierende US-Präsident Joe Biden am 21.07.2024 über einen entsprechenden Post bekannt gab, dass er sich von der Präsidentschaftskandidatur für die Wahl 2024 zurückziehen werde. Es stellt sich hierbei zudem die Frage, warum diese für die US-amerikanische Politik einschneidende Entscheidung über Social Media kommuniziert wurde.

Dies könnte so in den Unterricht eingebunden werden, dass Schülerinnen reflektieren warum dies so vorab über Social Media verkündet wurde. Dafür können mehrere Gründe aufgeführt werden, wie zum Beispiel, dass die Demokraten unter Zeitdruck standen oder dass sie über Social Media so viele Menschen wie möglich erreichen können im Gegensatz zu klassischen Fernsehnews oder. Ein anderes Beispiel wäre das Vorhaben den Deutschen Bundestag zu verkleinern, demnach die Anzahl der Politiker*innen die durch die Bundestagswahl in das Parlament einziehen zu verringern. Daraufhin gab es besonders von der CDU wie von dem CDU-Voritzenden Friedrich Merz und er meinte, dass ein entsprechender Gesetzvorschlag „offensichtlich rechtswidrig, verfassungswidrig, rechtsmissbräuchlich" (ZEIT Online, 2024) wäre. Schüler*innen könnten die Aufgabe erhalten diese Aussagen einzuordnen und kritisch zu hinterfragen.

Eine geeignete Leitfrage könnte wie folgt aussehen: Wird jene Aussage auf valide Argumente gestützt oder fällt sie eher in den Bereich Populismus?

Jetzt bist du gefragt!

Denke dir nun selbst eine Aufgabe bei denen Schüler*innen öffentlich getroffene Aussagen kritisch einordnen müssen. Orientiere dich dabei an dem Beispiel oben und der geeigneten Leitfrage.

Bei der Bearbeitung der Aufgabe sollten Schüler:innen erkennen, dass bei jenen Aussage eine bestimmte Intention mitschwingt, da die CDU zusammen mit der kleineren CSU Schwesterpartei als Union in den Bundestag einzieht und gerade kleinere Parteien von der Verkleinerung des Bundestages betroffen wären. Die Erkenntnis kann aufgestellt werden, dass solche Aussagen oft aus Eigeninteresse getroffen werden und nicht wegen dem Gemeinwohl.

Quellen

Bilderquellen 

NOAA (2006): Der Schwertwal. Online unter https://apps-afsc.fisheries.noaa.gov/Quarterly/amj2005/divrptsNMML3.htm.

Hamann/NABU (2023): Junge Wölfin. Online unter https://www.nabu.de/news/2023/12/34285.html



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